Woher kommt es denn..?

Schon mal überlegt, woher eigentlich unser Geld kommt. Ich meine, neben der wirklich spannenden Tatsache, dass ein Stück Papier, oder eine Zahl auf einem Kontoauszug, uns die Gewissheit vermittelt, dass es sich hier um erhebliche Werte handelt. Woher kommt denn all das Geld?

Es ist ja nicht so, dass da ein Acker, gleich neben der Zentralbank, mit kleinen Münzen bepflanzt wird um dann ein halbes Jahr später große Scheine zu ernten, die dann wieder unters Volk gebracht werden.

Ich habe das Gefühl, dass die aktuelle Schuldenkrise, oder weitverbreitet: Eurokrise, eine gute Gelegenheit gibt, sich in diese spannende Frage einzuarbeiten. Wikipedia gibt auf die Schnelle einige sehr umfangreiche Einführungen in all die geldtheoretischen Ansätze. Ich möchte hier mal versuchen unser System anhand der zur Eurorettung diskutierten Einschaltung der Europäischen Zentralbank (EZB) zu erklären.

Eine vorgeschlagene Massnahme ist, dass die EZB unbegrenzt Staatsanleihen abkaufen kann. Im Grunde würde ein solches System folgendermassen ablaufen. Eine Geschäftsbank kauft für eine Million Euro Französische Staatsanleihen und erhält hierauf. Im Anschluss nimmt die Bank bei der EZB einen Kredit über 750.000 Euro auf und hinterlegt als Sicherheit die vorher gekauften Staatsanleihen. Damit kauft die Bank zusätzliche Staatsanleihen, erhält weitere Zinsen und geht wieder zur EZB, um gegen die Hinterlegung der Staatsanleihen neue Kredite aufzunehmen, usw.

Somit werden aus 1 Million Euro durch ein paar Transaktionen 2 oder mehr Millionen. Die Zentralbank erschafft somit aus dem „Nichts“ neue Geldwerte. Die Bank kann diese nun, wie oben beschrieben in neue Staatsanleihen, zur Begleichung ihrer Kosten oder sonstige Geschäfte einsetzen. Und schon wird neues Geld geschaffen.

Man spricht hier oft vom Fluten der Märkte mit billigem Geld. Tatsächlich benehmen sich so die angelsächsischen Zentralbanken seit Jahren und haben somit wesentlich dazu beigetragen, dass die Geldmenge erheblich gestiegen ist.

Es bleibt den Zurückblickenden vorbehalten die Wirksamkeit und Güte des Systems zu bewerten. Tatsächlich gibt es zum Thema wahrscheinlich mehr Meinungen als zu den Frühjahrsmodeschauen in Paris.

Dennoch – hier meine 2 Cent zum Thema. Wir schaffen Geld ohne entsprechende realwirtschaftliche Gegenwerte zu haben (auch wenn die (bisher unbestätigte) Hoffnung besteht, dass durch das Geld eben diese geschaffen werden). Letztlich erhöhen wir mit diesem Vorgehen die Schulden unserer Staaten, reduzieren die Notwendigkeit, diszipliniert zu haushalten und schaffen immer mehr Geld, welches nach unserem Verständnis mit Zinsen bedacht werden muss (wobei wirklich spannend ist zu überlegen, woher die Zinszahlungen eigentlich kommen sollen?).

 

Staatsschulden als Umverteilungsmaschine

Staatsschulden erzeugen bedeutet vereinfacht gesagt, dass der Staat jemand finden muss, der ihm Geld leiht. In aller Regel sind dies Personen oder Institutionen (Banken, Versicherungen, Pensionsfonds, etc.), die über entsprechende Mittel verfügen und für das Ausleihen eine Vergütung in Form von z.B. Zinsen verlangen.

Deutschland z.B. finanziert sich vorwiegend aus Krediten von Banken, Versicherungen, Pensionsfonds sowie durch am Kapitalmarkt plazierte Schuldverschreibungen. Die notwendigen Zinsen werden im Regelfall aus den üblichen Steuereinnahmen (und hoffentlich nie durch neue Schulden) geleistet. Tatsächlich ist es sogar so, dass Deutschland einen enormen, steigenden Anteil der Staatsausgaben und somit der Steuerverwendung für die Zinszahlungen auf bestehende Schulden verwendet. Es ist sicherlich eine spannende Frage in diesem Kontext, wie hoch oder vielmehr tief die Steuern sein könnten, wenn der Staat keine/geringere Zinszahlungen zuleisten hätte?

Warum aber Umverteilungsmaschine?

Alle tragen über Steuern (nicht nur Einkommenssteuer, sondern auch über Mehrwertsteuer, Kraftstoffsteuer, etc.) dazu bei, dem Staat die Mittel zu geben, um Zinsen auf ausstehende Schulden leisten zu können. Die Zinsen werden jedoch von nur wenigen Personen und Institutionen eingenommen, nämlich von jenen, die sich Staatsanleihen leisten können. Defakto eine Umverteilung nach oben.