Bargeld, bald nur noch Geschichte..

Mein Vater hat tatsächlich das dickste Portemonnaie der ganzen Welt (bestimmt!). Mein Vater musste beruflich immer recht grosse, regelmässige Einkäufe tätigen und erledigt solche Angelegenheiten auch heute immer in Bar.

So etwas prägt sehr. Klar, in Zeiten von Kredit- und EC Karten, Überweisungen und Online-Bezahldiensten ist der tatsächliche Bargeldbedarf im alltäglichen Leben nicht mehr von grosser Bedeutung – es geht tatsächlich sehr gut ohne. Aber ist es wirklich erstrebenswert? Ich habe immer ein gutes Gefühl, wenn ich mir aus einem Geldautomaten 100 Euro ziehe und beobachten kann, wohin mein Geld geht. Es wird weniger und weniger und spornt mich oft zur Zurückhaltung an. Die Kreditkarte schafft das bei mir nicht. Natürlich, wie eingangs erwähnt, liegt dies sicher an meiner Erziehung. Meine Kinder werden selbstverständlich mit Ihrem Telefon (oder was es auch immer bis dahin sein wird) sämtliche Geldgeschäfte erledigen und dies als das Normalste der Welt betrachten. Heute nimmt der Bargeldanteil an der gesamten Geldmenge stetig ab. Es ist eine Frage der Zeit, wann es nur noch eine kleine Nebenrolle spielen wird oder gar nur noch für Sammler von Bedeutung sein wird.

Klar, die Welt entwickelt sich weiter und es ist unser aller Pflicht diese Entwicklung positiv zu beeinflussen. Ich frage mich nur ganz praktisch, was eine Entstofflichung des Geldes für unsere Kinder bedeuten wird. Werden sie noch dieses plastische Gefühl für Geldverbrauch erleben? Ist dies überhaupt notwendig, um Verantwortungsbewusst mit Geld umgehen zu können?

Ich für meinen Teil werde meine Kleinen auf jeden Fall versuchen, den Umgang mit Geld mit Bargeld beizubringen. Vorzählen, Wegzählen, Bezahlen, Prüfen, was zurückgegeben wird, Budgetgrenzen verstehen, Budgets setzen, Budgets prüfen, Sparen… Ach, bitte schön, ohne Bargeld ist doch all dies gar nicht möglich – oder?

Ach ja, meine Geldbörse ist übrigens alles nur nicht so prall wie die meines Vaters… beult ja auch die Hosentaschen unnötig aus.

Geldwert

Ist schon komisch, da kommt ein, zugegeben hochwertiges und graphisch aufwendig aufbereitetes, Stück Papier daher. Drauf eine Zahl gedruckt und alle akzeptieren die Zahl als Geldwert. Ehrlich, so recht verstehe ich das nicht.

Der Wert unseres Geldes beruht auf Vertrauen und gesetzlichen Vorgaben. Letzteres z.B. dadurch dass der Euro in Deutschland gesetzliches Zahlungsmittel ist. Jeder (!) muss ihn annehmen und zwar zum aufgedruckten oder auf der Überweisung angegebenen Wert. Ersteres, das Vertrauen, beruht auf vielen Grundlagen. Gute Erfahrungen, unkritischer Umgang, allgemeine Akzeptanz sind einige dieser Grundlagen.

Dennoch, die Summe aller z.B. in Deutschland vorhandenen Geldmittel sind weder durch Edelmetalle (Goldstandard) noch durch sonstige Werte hinterlegt. So what?

Ist das aber nun gut oder schlecht? Ich persönlich meine, dass es durchaus nachhaltig ist, wenn die Geldmenge in einem Land oder Wirtschaftsraum durch tatsächliche Werte beträchtlich hinterlegt ist. Als Beispiele möchte ich anführen, dass es in einem solchen Konstrukt wesentlich schwerer ist, „auf Pump“ zu leben und somit nachhaltiges Wirtschaften stärker eingefordert wird. Geld kann nicht ins Endlose geschaffen werden und somit werden Spekulationen mit Geld deutlich erschwert. Letztlich weiss man, was man hat.

Geldmengenwachstum, Überinvestition, Quantitatives Wachstum, Keynesianische Wirtschaftspolitik und sicher noch ganz viele weitere Punkte sprechen für ein hinterlegungsfreies Geldsystem.

Was ist besser?