Transaktionssteuer; aka Börsenumsatzsteuer

Bei meiner ersten Abrechung eines Aktienkaufes stand sie noch drauf. Neben Maklercourtage und Kommission stand da noch 2.5 Promille Börsenumsatzsteuer (bei Staatsanleihen gar nur 1 Promille). Das war, glaube ich, 1984

Mensch, ich kaufte damals eine Aktie eines australischen Goldminenbetreibers und bin noch heute fest davon überzeugt, dass ich eigentlich nur ein Schild mit der Aufschrift Goldmine kaufte. Mein Investment, immerhin 50 Mark, war nach 6 Monaten dahin. Meine Faszination für Börsen und Märkte wurde davon zum Glück nicht wirklich zurückgeworfen. Vielleicht war dieser erste Totalverlust (es folgten noch einige, was meine Kompetenz Anlageempfehlungen zu erteilen, zumindest fragwürdig erscheinen lässt) ja sogar die Ursache, dass ich dem ganzen Thema mit einer Portion gesunder Skepsis begegnete.

Zurück zur Börsenumsatzsteuer. Ja, es ist noch gar nicht lange her, da gab es in Deutschland diese Steuer. 1991 wurde sie im 1. Finanzmarkförderungsgesetzt ersatzlos gestrichen. Ich bin heute sehr überzeugt, dass dieser erste grosse Schritt zur Deregulierung des Deutschen Finanzplatzes die Tür für eine Art Kapitalismus öffnete, dem ich durchaus skeptisch gegenüberstehe.

Heute, durch die Finanzkrise verursacht, wird eine vergleichbare Steuer wieder sehr prominent diskutiert. Die Befürworter sprechen von der Notwendigkeit, den „bösen“ Spekulanten Einhalt bieten zu müssen. Ausserdem sollen die Verursacher der Finanzkrise und der damit verbundenen erheblichen staatlichen Hilfsleistungen, ihren Teil an den Kosten tragen. Na, und sicher spielt das Erschliessen einer neuen (alten) Einnahmequelle eine auch eine Rolle.

Spannend ist natürlich auch die Argumentation gegen eine solche Abgabe. Im Wesentlichen wird angeführt, dass nationale, gar regionale Lösungen nicht möglich sind sondern nur eine globale Einführung eine Wettbewerbsverzerrung verhindern würde da die Märkte automatisch zu den Orten wandern, die keine Transaktionssteuern erheben. Zudem trifft eine solche Steuer nicht nur die Banken, Fonds, Hedge Fonds und grossen Vermögensverwalter sondern eben auch die Familie Meier, deren Altersvorsorge durch eine solche Steuer nachteilig beinflusst würde.

Ich glaube nicht, dass diese Contrapositionen nachhaltig sind. So sind z.B. in England oder der Schweiz noch heute solche Steuern vorhanden und ich meine, dass beide Länder als Bank- und Finanzplatz eine beträchtliche Rolle in der Welt spielen. Private Anleger könnten von einer solchen Steuer ausgenommen werden (…die ersten 10 Transaktionen pro Jahr sind steuerfrei…), Institutionelle Anleger müssten einen minimalen Abschlag auf Ihre Renditen hinnehmen. So what? Womöglich würde sich ihr Anlageverhalten dahin ändern, dass Positionen nicht mehr nur für Sekunden, sondern mit einer gewissen Nachhaltigkeit gehalten werden, was ich wiederum durchaus positiv einschätzen möchte.

Ich für meinen Teil bin gerne bereit, die alt bekannte Zeile der Börsenumsatzsteuer (Transaktionssteuer) auf meine Börsenabrechungen wieder zu begrüssen.